Kurzer chronologischer Ablauf der Ortsgeschichte
Zeittafel
vor 900
Niederwillingen wurde erstmals als „Welehingin" in einer undatierten Schenkungsurkunde für das Kloster
Fulda genannt.
um 1079 -1089
„Graf Berno schenkte dem Stift Ettersburg nach der Beisetzung seiner daselbst beerdigten Gattin 20
Hufen zu Griesheim, Geilsdorf und Willingen sowie 4 Hufen zu Tunsdorf mit Zubehör.“ Diese Urkunde ist
nicht erhalten. Ihre Ausstellung fällt in den Zeitraum von 1079 bis 1089.
1506
Nach dem „Registrum subsidi clero Thuringiae anno 1506 imposti“ waren der „sedes Alkersleben“ 51
Pfarreien und 37 Vicarien untergeben, darunter auch Willingen.
1533
Die Reformation wurde im gesamten Fürstentum unter Heinrich XXXII., dem Gemahl Katharinas der
Heldenmütigen unter Beistand des Kurfürsten von Sachsen öffentlich eingeführt.
Der Willinger Pfarrer Wenzel Fleischkohl blieb seinem katholischen Glauben treu und zog nach Erfurt.
Erster evangelischer Pfarrer war Martinus Conrad.
1649
Am 6.11. wurde Michael Hoyer beerdigt, welcher 3 Tage vorher „jämmerlich vor dem Achelstädter Holz
ganz unversehens erschossen“ worden war.
1698
Folgende, der Niederwillinger Schäferei gehörende, Flurstücke kamen zu Lehmannsbrück:
- Die Wiesen im Röstal
- Das Flecklein unter dem Hessenteich
- Die Erlichswiese
1723
Die Kirche in Niederwillingen erhielt neue, größere Fenster.
1752
Der Kirchturm wurde repariert.
Anfang Mai wurde ein neuer Kirchturmknopf aufgesetzt.
1772
Der kurfürstlich-hannoverischen Maler, Bildhauer und Zeichenlehrer Johann Ludwig Meil (1729-1772)
stellte zu Pfingsten den Hochaltar in der Kirche zu Niederwillingen fertig. Prunkstück war das Gemälde
„Christi Geburt“. Es war sein letztes Werk, denn am Freitag darauf starb der Künstler.
1778
Am 27.6. fand jemand im Diebshalsgraben die Leiche eines (6 Wochen vorher) erschlagenen Juden. Es
handelte sich um den jüdischen Bürger David Simson, der sich überwiegend mit Wechsel- und
Handelsgeschäften befaßte.
Wenige Tage später konnten die beiden Raubmörder Johann Christian Remus aus Hausen und der 39-
jährige Adam Christoph Crautmann aus Görbitzhausen gefaßt und überführt werden.
1779
Der Raubmörder Remus wurde am 19.1. auf dem Marktplatz in Arnstadt öffentlich enthauptet; sein
Komplize war vorher im Gefängnis gestorben (September 1778). Der Körper des Hingerichteten wurde
zur Abschreckung, nach der Exekution, am Obertunk, Elxlebener Weg, auf das Rad geflochten.
1798
Die Gemeinde Niederwillingen kaufte zum Preis von 2000 Thalern:
das herrschaftliche Schäfergebäude mit einer Schäferei
- das Trift- und Weiderecht
- das alte Schulgebäude
- die Mühle
- das Gemeindehaus
1808
In der Kirche Niederwillingen wurde eine Orgel durch die Firma Adam Eifert aus Stadtilm erbaut.
1812
In Niederwillingen entstand ein neues Schulgebäude (neben der Kirche).
1813
Während der Befreiungskriege gegen Napoleon I. 1813/14 grassierte das sogenannte Nervenstaubfieber
(auch Kriegstyphus genannt) hierzulande. In Niederwillingen forderte diese Krankheit 2 Menschenleben.
1816
Wahrscheinlich durch einen Wolkenbruch verursacht, wurde der Ort am 28.6. von einer großen
Wasserflut überschwemmt.
1823
Ein neues Gemeindehaus mit Tanzsaal wurde errichtet.
1826
Am 23.2. wurde in der Niederwillinger Gemeindeschenke um 13.00 Uhr die „Harzpacht im Niederwillinger
Wald-Holze“ vergeben. Dieser Pachtvertrag belief sich immer auf 4 Jahre.
1829
Die Feuerwehr bekam ein neues Spritzenhaus, nebst Spritze und Rohr.
Die Taschenspielerehefrau Emilie von Linsky aus Warschau verunglückte am 11.7. im Rathaussaal zu
Arnstadt schwer, weil dem Liniensoldat Schlamann aus Niederwillingen beim Präparieren der - für das
Kunststück benötigten - Patronen ein Irrtum unterlaufen war. Zwei Tage später starb die Verletzte.
Einige Jahre danach nahm die Arnstädter Schriftstellerin Eugenie Marlitt diesen Vorfall als
Romangrundlage für „Das Geheimnis der alten Mamsell“.
1834
Die Gemeinde Niederwillingen spendete für die Geschädigten der Feuersbrunst in Branchewinda am 4.6.
den Betrag von 20 Rthlr.
1840
Es erfolgte eine Reparatur der Kirchenorgel.
J. H. Kleingünther aus Niederwillingen wanderte 1840 in die österreichische Provinz Syrmien aus.
1843
Die Dorfbibliothek in Niederwillingen und der Leseverein wurden gegründet.
Schullehrer Brömel gründete in Niederwillingen einen pomologischen Verein, deren Mitglieder wöchentlich
einmal zusammenkamen (Pomologie = Wissenschaft vom Obstbau).
1844
Die Brücke am Brauhaus wurde erbaut und die Straße nach Oberwillingen chaussiert.
Auf dem Anger beim Schafstall erfolgte eine Obstbaumanpflanzung. Die Bäumchen stammten aus der
Gemeindebaumschule (68 Zwetschen-, 40 Apfel- und 3 Birnbäume).
In Niederwillingen wurde ein Männerchor unter dem Namen "Liedertafel“ gegründet, der sich später
"Gesangverein Liedertafel“ nannte.
Im Juli grassierte in Niederwillingen das Scharlachfieber. Ein Kind starb daran.
1845
Im Januar und Februar erkrankten viele Kinder an Scharlach.
Am 28.7. wurde Heinrich Nicol Kiesewetter im Waldholz von einem Baum erschlagen.
1846
Die Bewohner der Kirchgasse legten eine Brunnenleitung aus der Wipfra zur Schule mit zwei
Pumpbrunnen an.
Am 6.6. erschlug der Blitz die Bürgerin Catharina Caroline Hufnagel auf dem Feld, als sie heuwenden
wollte.
1847
Am 11.3. wurde in Niederwillingen der "Männerchor Liedertafel" in „Gesangverein Liedertafel“ umbenannt.
Es erfolgte die gesamte Chaussierung der Straße nach Stadtilm.
1848
Der Fahrweg nach Roda und Branchewinda wurde in einen guten Zustand versetzt.
1850
Joh. Christoph Trefflich aus Niederwillingen wanderte im Juli 1850 nach Amerika aus.
1852
Es gab wieder Auswanderungen nach Amerika (U.S.A. oder Brasilien).
Der in Niederwillingen wohnende Ch. Künold trat im April 1852 eine Geschäftsreise nach Nordamerika an,
wobei er mehrere nördliche und westliche Staaten bereiste.
In der Gemeindebaumschule konnte man beste Sorten veredelter Äpfel- und Birnenstämme kaufen.
1856
Die Kirche in Niederwillingen wurde einer „bedeutenden Reparatur“ unterzogen.
Eine Volkszählung ergab: Niederwillingen hatte einschließlich Hohes Kreuz 78 Häuser und 389 Einwohner.
1858
Eine steinerne Brücke über die Wipfra wurde im unteren Teil Niederwillingens durch Maurermeister Hager
aus Niederwillingen erbaut. Die während des Baues aufkommenden Streitigkeiten unter den Bürgern
wurden vom Fürstlichen Landrat beigelegt.
1865
Das Gesuch des Arnstädter Kutschers und Bürgers Richard Mohring an den Stadtrat von Arnstadt um
Aufnahme seiner Verlobten, Pauline Hofmann aus Niederwillingen, in den Arnstädter Gemeindeverband,
um sich mit ihr zu verheiraten, wurde am 7.2. „beifällig beschieden“.
Eine furchtbare Überschwemmung traf die Orte Niederwillingen und Oberwillingen hart. Am 7.4. erreichte
das Hochwasser seinen höchsten Stand.
Das Gesuch des Johann Michael Theodor Huck aus Niederwillingen, um Aufnahme in den Arnstädter
Bürgerverband, wurde wegen nicht genügend nachgewiesenen Besitzes des erforderlichen Einzugsgeldes
abgelehnt.
1866
Am 27.6. tobte bei Langensalza die Schlacht der Preußen gegen die Hannoveraner. Der Kanonendonner
war bis hier zu hören. Nach dieser Schlacht wurde für die verwundeten Krieger eine Sammlung
veranstaltet.
1867
Das Neujahrsfest wurde als Friedensfest (nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg im Jahre 1866)
begangen.
Die 50-jährige kirchliche Trauung des Zimmermanns und Einwohners Johann Friedrich Limprecht und
seiner Ehefrau Catarine Dorothea geb. Alexin wurde gefeiert.
1870
Man feierte in Niederwillingen das 50-jährige Ehejubiläum des Joh. Christian Michael Bräutigam und
seiner Ehefrau Elisabeth Margarete Henriette geb. Hufnagel.
1871
Ein starkes Regenwetter am 25.6. verursachte am Folgetag eine Überschwemmung.
1873
Am 30.7. trat das Statut der Niederwillinger Waldholzgenossen-schaft in Kraft.
1875
In Niederwillingen und Umgebung war eine „Zwetschenplage“ ausgebrochen.
Der Kriegerverein wurde gegründet.
1876
Die Kriegerfahnenweihe fand am 20.8. in Niederwillingen statt. Gastwirt Albert Gothe warb im Stadtilmer
Anzeiger am Sonnabend, dem 19.8., „... werde ich mit einem guten Glas Lagerbier, ausgezeichneten
Rostbratwürsten, sowie sonstigen guten kalten und warmen Speisen bestens aufwarten.“
1877
Am 30.7. stürzte der Oeconom Johann Christian Theodor Hofmann von der Scheuer und verletzte sich
tödlich.
1881
Durch Ministerialverordnung vom 25.10.1881 wurde die Anlegung von Grund- und Hypothekenbüchern u.
a. auch für die Orte Niederwillingen und Oberwillingen nach Maßgabe des Gesetze vom 20.7. 1857
angeordnet.
Am 29.11. feierten die Hartungschen Eheleute das Fest der Diamantenen Hochzeit (nach 60-jähriger
Ehe). Der Vater, 89 Jahre alt, war noch körperlich und geistig rüstig, die Mutter, körperlich schwach,
hütete seit 3 Jahren das Bett, war aber noch geistig frisch.
1882
Bedingt durch anhaltende Regenfälle führte die Wipfra Hochwasser. Ihren höchsten Stand hatte das
Wasser am 22.9. Es war an diesem Tage nicht möglich von einem Teil des Ortes über die Brücke zum
anderen zu gelangen. Selbst die ältesten Bürger des Ortes konnten sich nicht an einen solch hohen
Wasserstand der Wipfra erinnern.
1884
Nach erfolgter Revision traten die Grundbücher für Ober- und Niederwillingen am 15.10. in Kraft.
Der Pfarrer weihte am 1. Weihnachtsfeiertag in Niederwillingen die umgegossene Glocke. Die alte war
zuvor infolge einer Metallücke zersprungen.
1885
Dem Schmiedemeister Herrn Ernst Weisleder zu Niederwillingen, welcher sich freiwillig der durch das
Gesetz vom 1.7.1884 vorgeschriebenen Prüfung als Hufbeschlagschmied nach vorheriger Absolvierung
eines Kursus bei der Lehrschmiede zu Erfurt unterzogen hatte, bestand mit „gut“ und wurde vom
Fürstlichen Ministerium in Sondershausen mit einer Geldprämie in Höhe von 40 Mark ausgezeichnet.
1886
Der Gemeindevorstand unter der Leitung des Fr. Limprecht gab im „Stadtilmer Anzeiger“ folgendes
bekannt:
Das Sammeln der Haselnüsse im Tännreisig
wird hiermit bei 10 Mark Strafe verboten.
Niederwillingen, den 10. August 1886
1890
Am 23.11. trat die Wipfra über ihre Ufer.
1892
Viele Ausländer befanden sich infolge des Eisenbahnbaues in Niederwillingen und Umgebung. Bei den
Arbeiten zwischen Weg und Überführung am Anger verletzte sich der Eisenbahnarbeiter May aus
Neuroda tödlich.
Beim Eisenbahnbau wurde in Niederwillingen, rechts der Wipfra, die Grabstätte eines fränkischen Reiters
gefunden, der um 650 mit Pferd und Waffen dort beerdigt worden war.
1893
Der Obstbaumzüchter Hermann Wagner aus Niederwillingen veröffentlichte in mehreren Fortsetzungen
einen großen Artikel im „Stadtilmer Anzeiger“ unter dem Titel „Über Hebung der Obstbaumzucht“.
1893
Das noch unfertige Willinger Bahnhofsgebäude wurde bei einem orkanartigen Sturm Mitte September
umgeworfen. Einzelne Bauhölzer wurden später im Ort Hohes Kreuz gefunden.
1894
Ende Mai wurde der Bau des Bahnhofes vollendet. Obwohl er auf Niederwillinger Flur stand, hieß er
eigenartigerweise Roda - Niederwillingen.
Am 18.6. wurde die Eisenbahnstrecke von Arnstadt bis Stadtilm eröffnet.
1895
Während einer Eisenbahnfahrt von Stadtilm in Richtung Arnstadt wurde am 17.6. der 70-jährige
Messerschmied Herr Hettstedt sen. von einem Schlaganfall betroffen und starb noch vor Niederwillingen.
Seine Leiche wurde am Bahnhof Roda-Niederwillingen aus dem Zug gehoben und mit einem
Pferdewagen nach Stadtilm transportiert.
Der 74-jährige Handelsmann Jacob Zeigerer, ein bekanntes Arnstädter Original, wurde am 26.7. auf
einem Feld zwischen Niederwillingen und Roda tot aufgefunden und am 29.7. in Niederwillingen beerdigt.
Am 2.12. war die Betriebseröffnung der Eisenbahnstrecke bis Saalfeld.
1897
Erstmals wurde in Niederwillingen eine Trauung verschmäht. Die für den 24.10. festgesetzte Hochzeit
fand nicht statt, weil „die kirchlichen Ehren mit Rücksicht auf das Vorleben des Bräutigams nicht gewährt
werden konnte“.
1898
Mehr als 30 Einwohner waren vom Typhus befallen; die Schule war auf unbestimmte Zeit geschlossen.
An allen Häusern, in denen Typhusfälle festgestellt worden waren, wurden rote Plakate angebracht mit
der Aufschrift:
Ursache war das Wipfrawasser, das in Ermangelung von Brunnen noch zum Kochen genutzt wurde. Es
gab Todesfälle.
1900
Am Vormittag des 2.6. passierte ein Sonderzug unseren Bahnhof. In diesem Zug befanden sich die
Königin von Holland und die Königin Mutter, die die Wartburg besuchen wollten. In der Nacht erfolgte die
Rückfahrt nach Schwarzburg, wo sie zu Besuch weilten. Ihre Heimreise traten die Monarchinnen nebst
ihrem Gefolge am Vormittag des 6.7. wieder mit einem Sonderzug und wieder über Niederwillingen an.
1905
Die Hochdruckwasserleitung war fertiggestellt. Die Einweihung für die Wipfradörfer fand am Mittwoch,
dem 9.8.1905, statt. Seit diesem Tag wurden die Dörfer Behringen, Oberwillingen, Niederwillingen, Roda,
Görbitzhausen, Hausen und Marlishausen mit gutem Trinkwasser versorgt.
Der bisherige Baugewerksmeister Herr Otto Kaufmann in Niederwillingen wurde im Juli 1906 zum
Schwarzburg-Sondershäusischen „Hofbaugewerksmeister“ ernannt.
Der 11 ½ Jahre alte Schulknabe Paul Arno Glaser erhängte sich am Nachmittag des 17.1., gegen 14 Uhr,
in der Dachkammer des Wohnhauses Nr. 42 b.
1908
Am Sonntag, dem 19.1.1908, gründete man in Niederwillingen einen, auf den Grundsätzen der deutschen
Turnerschaft beruhenden, Turnverein, welchem sofort 35 Mitglieder beitraten.
Den ersten Telefonanschluß in Niederwillingen hatte Hofbauge-werksmeister Kaufmann.
1909
Landwirt G. aus Behringen holte am Sonnabend, dem 13.3.1909, mit einem Pferdegeschirr
(Kastenschlitten) Brot in Niederwillingen, Unter dem Berge Nr. 13. Als er in das Haus ging, läßt er sein
Pferd durch einen Schulknaben beaufsichtigen. Da setzte sich um 16.30 Uhr unerwartet das Geschirr in
Bewegung und überfuhr die 2-jährige Enkeltochter des Schäfers Heinz, die Charlotte Else Erna Heinz,
und tötet sie auf der Stelle.
1917
Am 20.4. mußten die Prospektpfeifen der Orgel von Niederwillingen sowie die große und mittlere Glocke
als Kriegsanleihe abgeliefert werden.
1918
Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes in Compiégne am 11.11. war der I. Weltkrieg zu Ende.
Niederwillingen hatte 37 Gefallene zu beklagen.
1920
Niederwillingen erlebte wieder eine große Überschwemmung nach einem Wolkenbruch.
Am 23.6. wurde in Niederwillingen eine Sportgemeinschaft gegründet. Er trug den Namen:
Sportverein 20 Niederwillingen
1923
Zusätzlich zur alten, wurde in Niederwillingen eine neue Schule eingerichtet. Es war die frühere
„Kinderbewahrungsanstalt“ bzw. „Kleinkinderschule“. Die Weihe nahm Kreisschulrat Rühberg aus Arnstadt
mit einer längeren Rede vor. Diese Schule wurde auch als „Neue Schule“ bezeichnet (viele Jahre später
wurde das Gebäude Gemeindebüro).
1926
Eine unangenehme Unterbrechung erlebten die Niederwillingen zur Kirmesfeier am 8.11.1926, als in den
Nachmittagsstunden plötzlich die Scheune des Mühlenbesitzers Hammerschmidt lichterloh brannte. Durch
schnelles Eingreifen der Ortsfeuerwehren und der Kreismotorspritze aus Stadtilm wurde der Brand auf
seinen Herd beschränkt.
1927
Am 29.5. fand eine Fahnenweihe des Sängerbundes „Ober Wipfragau“ statt, zu dem auch der
Gesangverein "Liedertafel" Niederwillingen gehörte.
Es erfolgte der Anschluß Niederwillingens an die Gasfernleitung Arnstadt - Stadtilm.
1928
Der Maurer Karl Born und sein Sohn Heinrich gründeten in Oberwillingen eine Neuapostolische
Gemeinde.
Der Bahnhof „Roda - Niederwillingen“ wurde in „Bahnhof Niederwillingen“ umbenannt.
In Niederwillingen gab es das erste Radio (mit Kopfhörer) in der Familie des Arno Kaufmann I.
1929
In Niederwillingen wurde eine elektrische Läutemaschine angeschafft.
Am Donnerstag, dem 22.8.1929, ereignete sich an der „Schwarzen Brücke“ ein bedauerlicher Unfall, der
ein Menschenleben forderte. Der ledige, 20 Jahre alte, Streckenarbeiter Gölitz, Sohn des Gastwirts Gölitz
in Behringen, fiel während der Fahrt vom Arbeiterzug und kam unter die Räder, die ihn am Kopf, Arm und
Leib so schwer beschädigten, daß der Tod auf der Stelle eintrat.
1930
Am Sonntag, dem 4.5., wurden die in Niederwillingen erbauten Kreisschießstände eröffnet.
1938
Die Weihe des neuen Sporthäuschens erfolgte am 30.7.1938.
1939
Der erste Kindergarten entstand (in der neuen Schule, später Gemeindebüro). Erste Leiterin war Fräulein
Hannelore Bachmann aus Roda, die von Helferinnen aus dem Arbeitsdienstlager Stadtilm unterstützt
wurde. Es kamen (nur in den Sommermonaten!) ca. 35 bis 40 Kinder im Alter von 1 bis 7 Jahren.
Eine Volkszählung am 17.5. ergab: Niederwillingen hatte 549 Einwohner.
1940
In der Nacht vom 23. zum 24.7. waren möglicherweise erstmals feindliche (englische) Flugzeuge über
unsere Gegend geflogen. Auf Singen hatten sie Leuchtbomben abgeworfen.
Erster Fliegeralarm, nicht bei uns, aber in der Saline Oberilm, gab es am 12.8. Es waren Detonationen und
Fluzeugmotorengeräusche ungefähr aus Richtung Bad Berka zu hören.
In Niederwillingen wurde zum ersten Mal in der Nacht vom 16. zum 17.8. Fliegeralarm ausgelöst. Die
Bewohner suchten den Luftschutzkeller „Unter dem Berge“ auf. Ein gut wahrnehmbares
Detonationsgeräusch stammte von einem Bombenabwurf auf Marlishausen.
1941
Die Wipfra führte im Februar Hochwasser.
1944
Am Freitag, dem 21.1., war gegen 23 Uhr Fliegeralarm. Schwere weiter entfernt liegende Einschläge
waren zu hören, Erschütterungen wahrnehmbar.
Mehrere Tiefflieger griffen am 30.11. bei Roda den Personenzug Saalfeld - Arnstadt an, dabei wurde die
Niederwillingerin Anna Hammerschmidt tödlich verletzt.
1945
Ab 6.4.1945 wurden täglich KZ-Häftlinge, bewacht durch SS-Leute, gruppenweise (in Viererreihen) in
Richtung Stadtilm durch den Ort geführt.
Nach diesem Durchzug wurden zwischen Niederwillingen und Stadtilm im Straßengraben zwei
unbekannte Häftlinge tot aufgefunden. Sie erhielten auf dem Friedhof in Niederwillingen ihre letzte
Ruhestätte.
Die Amerikaner hatten Oberwillingen ohne Widerstand eingenommen und stießen weiter auf
Niederwillingen vor.
Am 11.4. hißte Karl Brömel die weiße Flagge in Niederwillingen. Am gleichen Tag, um 15.00 Uhr, wurden
die einrückenden Amerikaner vom Bürgermeister Waldemar Wedekind (versehentlich!!!) mit dem
Hitlergruß empfangen.
Otto Weisleder übergab den Ort an die Amerikaner.
Die US-Soldaten begannen damit Haus für Haus zu kontrollieren.
Es fanden Ausweiskontrollen statt und es bestand Ausgehverbot von 19.00 Uhr bis 7.00 Uhr. Alle Waffen,
Ferngläser, Radios und Fotoapparate mußten abgegeben werden.
Das Deutsche Reich kapitulierte am 8.5. bedingungslos.
Gemäß den Vereinbarungen der Alliierten verließen am 1.7. die Amerikaner Thüringen und die
sowjetischen Truppen marschierten am 2.7. ein.
1946
Die Orte Niederwillingen, Oberwillingen und Behringen schlossen sich zu einer politischen Gemeinde
zusammen.
1947
Umsiedler aus den Ostgebieten suchten auch in unserem Ort Zuflucht.
Der Volkschor in Niederwillingen wurde am 11.3. neu gegründet. Erster Chorleiter war der Lehrer Siegfried
Ständert.
1948
Im November wurde der Kindergarten von der ehemaligen „kleinen Schule“ (später Gemeindebüro) in das
ehemalige „Schützenhaus“, welches am Schießstand abgerissen und in der Nähe der „kleinen Schule“,
am Wipfraufer wieder aufgebaut worden war, verlegt. In der „kleinen Schule“ wurden Umsiedler
einquartiert.
1949
Bei einer Volkszählung am 21.6. stellte man fest:
Niederwillingen hatte 791 Einwohner, davon waren 268 Umsiedler. Die Gesamtflur der Gemeinde betrug
1053,72 ha, davon 552,54 ha landw. genutzte Fläche.
1951
Die Konsumverkaufsstelle öffnete ihre Pforten (Rudolf Kaufmann).
1952
Die BSG „Traktor“ Niederwillingen wurde gegründet.
1953
Der erste Mähdrescher aus der Sowjetunion traf im Juni hier ein.
1954
In der DDR erfolgte die Einführung der Jugendweihe.
1955
Die Gemeinde bekam am 14.2. den Auftrag ein „Aktiv für gesamtdeutsche Arbeit“ zu bilden.
Die zwei westdeutschen Patengemeinden waren:
- Richelsdorf, Krs. Rothenburg
- Niederbeisheim, Krs. Fritzlar - Homberg
Enor Fabig aus Behringen besaß seit 22.10. das erste Fernsehgerät in unseren Orten. Es war der Typ
„Rembrandt“, mit der Fabrikationsnummer FE 852 E. Gesendet wurde vom Inselsberg.
1956
Mit Beginn der Olympischen Winterspiele 1956 (26.1. - 5.2.) begann auch in Niederwillingen selbst das
Fernsehzeitalter. Den ersten Apparat im Ort besaß Arno Kaufmann 1. Er hatte täglich 30 Gäste und mehr
in seiner Wohnung, die das Wunder bestaunten.
In der politischen Gemeinde wurde ein Schülerbus eingesetzt, der erste im Bezirk Erfurt. Angefahren
wurden die Orte Niederwillingen, Oberwillingen, Behringen, Roda, Görbitzhausen, Branchewinda,
Dannheim, Stadtilm.
Auch die übrige Bevölkerung (nicht nur Schulkinder) konnten dieses Transportmittel nutzen.
1958
Am 13.3. wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet. Ihr Name:
„Wipfragrund“ Typ I.
1959
Die Schule in Niederwillingen wurde am 1.9. in eine Polytechnische Oberschule verwandelt. Die
Schulgebäude waren:
- in Oberwillingen: der ehemalige Tanzsaal „Frosch“
- in Niederwillingen: Baracke an der Wipfra und Hauptschulgebäude (neben der Kirche)
- in Behringen: die Schule wurde geschlossen
Heinrich Sieder übernahm die Konsumverkaufsstelle.
Der Kindergarten zog um (aus der Baracke in die umgebaute, ehemalige Garage des Heinrich Sieder).
Eine Schwesternstation wurde im gleichen Gebäude eingerichtet.
1960
Die beiden LPGen Oberwillingen und Niederwillingen schlossen sich zusammen zur LPG „Wipfragrund“
Typ I.
Am 23.3. erfolgte die Gründung der LPG Typ II „Gute Hoffnung“.
Die Gründung der LPG „Hohes Kreuz“ Typ I geschah am 26.3.
Am gleichen Tag brachte die Tageszeitung „Das Volk“ die Erfolgsmeldung, daß Niederwillingen
„vollgenossenschaftlich“ sei, das heißt, auch der letzte Einzelbauer war der LPG beigetreten.
Nur 3 Tage später, also am 29.3. waren alle landwirtschaftlichen Betriebe des Kreises Arnstadt zu
Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften geworden. Es gab keinen einzigen Einzelbauern mehr.
1962
Niederwillingen richtete (bei Rudolf Kaufmann) eine Kinderkrippe ein.
1963
Am 1.1. erfolgte der Zusammenschluß der LPG Typ II „Gute Hoffnung“ mit der LPG Typ I „Wipfragrund“
zur LPG Typ II „Wipfragrund“.
Am 1.1. erfolgte der Zusammenschluß:
- der LPG Typ II „Gute Hoffnung“ und
- der LPG Typ I „Wipfragrund“ zur LPG Typ II „Wipfragrund“.
1964
Ein Park wurde in der Ortsmitte errichtet.
In der DDR wurden Postleitzahlen eingeführt. Für Niederwillingen galt die 5211.
1965
Die Hauptstraße durch das Dorf und einige Nebenstraßen wurden gepflastert und Bürgersteige angelegt.
1966
Die alte Kirchturmuhr wurde durch eine neue, elektrische ersetzt.
Die Verlegung der Kinderkrippe in das Gebäude des ehemaligen Sägewerkes „Grimm“, nachdem es
entspr. ausgebaut worden war, wurde vollzogen. Der Einzug geschah am 4.7. Die räumliche Ausstattung
für die (jetzt) 15 Kinder war hier wesentlich besser.
Am 15.11. brach im Haus Nr. 38 bei Karl Herrmann Feuer aus. An der Brandbekämpfung, von 3.00 bis
8.00 Uhr, waren 30 Personen beteiligt; der Dachstuhl brannte aus. Mit den Aufräumungsarbeiten (von 8.00
bis 17.00 Uhr) waren 23 Personen beschäftigt. Der Schaden betrug 16210 MDN.
1967
Unsere Fußballmannschaft wurde Kreissieger im FDGB-Pokal.
1968
Am 17.3. besiegte die Fußballmannschaft von Traktor Niederwillingen Plaue mit 1:0 und wurde
Kreismeister.
Niederwillingen wurde am Ostersonnabend, dem 13.4., mit einem 2:1 Sieg gegen Plaue Kreispokalsieger
im Fußball.
Am 21.4. siegte die Fußballelf von Niederwillingen mit 4:0 gegen ZBO „Einigkeit“ Osthausen und gewann
damit den „Goldenen Traktor“.
Die Orte Niederwillingen, Oberwillingen und Behringen wurden durch die Müllabfuhr entsorgt. Der Preis
dafür betrug 9,00 M pro Haushalt und Jahr.
Am 12.12. wurde die zwischengenossenschaftliche Einrichtung Waldwirtschaft (ZEW) gebildet
(Niederwillingen, Oberwillingen, Behringen, Traßdorf, Kettmannshausen). Es schlossen sich an: Groß-
LPG Branchewinda, LPG-Kettmannshausen und LPG-Traßdorf. Die Waldfläche betrug 510 ha.
1969
Mit einem 2:1 Sieg gegen Crawinkel gewann die Fußballmannschaft von „Traktor“ Niederwillingen am
11.1. erneut den „Goldenen Traktor“.
Die Bahnbrücke am „Anger“ wurde wegen Baufälligkeit abgebrochen.
Es erfolgte die Aufhebung des Schrankenpostens an der Bahnlinie zwischen Niederwillingen und Stadtilm.
Den Niederwillinger Fußballern genügte am 13.4. ein 0:0 gegen Wüllersleben, um erneut Kreismeister zu
werden.
Am 2.6. gewann Niederwillingen mit 3:2 gegen Chemie Plaue und wurde wieder Pokalsieger.
Durch Flächenaustausch zwischen der Gemeinde und der LPG wurde ein neues Sportplatzgelände
geschaffen.
1970
Am 1.1. trat die LPG Niederwillingen der gemeinsamen Pflanzenproduktion bei (Stadtilm, Singen,
Gösselborn, Griesheim, Dörnfeld, Cottendorf, Traßdorf, Niederwillingen). Die Nutzfläche betrug insgesamt
3112 ha.
Das Mädchen Marita Herrmann verunglückte am 12.7. bei einem Motorradunfall tödlich. Sie fuhr auf dem
Sozius mit ihrem Freund Hartmut Pfau (aus Cottendorf) von Niederwillingen in Richtung Stadtilm, als das
Motorrad aus der Kurve getragen wurde und gegen einen Baum prallte. Sie verstarb am Unfallort,
während ihr Freund mit schweren Verletzungen den Unfall überlebte.
Das alte massive Schrankenwärterhaus (zwischen Niederwillingen und Stadtilm) wurde von der
Sportgemeinschaft abgebrochen; das gewonnene Baumaterial benötigte man zur Errichtung des
Sportplatzgebäudes.
Am 23.2. führte die Wipfra Hochwasser durch Schmelzwasser. Der 6-jährige Jörg Schulz, der am
Wipfraufer spielte, stürzte in die Fluten und wurde sofort mitgerissen. Dem Kraftfahrer Klaus Sieder gelang
es, der eigenen Gefahr nicht achtend, das Kind zu retten.
1971
Am 29. und 30.5.(Pfingsten) erfolgte die Einweihung des neuen Sportplatzes in Niederwillingen.
1973
Das Haus (Scheune) Unter dem Berge Nr. 15 wurde zu einem Kindergarten umgebaut. Der bisherige
Kindergarten (Baracke, ehemaliges Schießhaus) wurde als Klassenraum für die Schule hergerichtet.
Der Schulneubau in Niederwillingen (Erweiterung) war abgeschlossen. Er enthielt zwei schöne und
geräumige Klassenzimmer, einen Werkraum und ein Lehrerzimmer. Alle Räume erhielten neue Möbel und
die Schule bekam neue und moderne Arbeitsmittel. Die Baracke an der Wipfra wurde jetzt nicht mehr als
Klassenraum benötigt.
1975
Am 31.7. beschloß der Kreistag Arnstadt, die Ortsteile Hohes Kreuz und Morgenleite der Stadt Stadtilm
einzugemeinden.
Die Sektion Schach, in der BSG „Traktor“ Niederwillingen wurde durch Klaus Reinhold, dem Autor dieser
Chronik, gegründet. Am 25.9. nahm sie ihre Tätigkeit auf, zunächst als Arbeitsgemeinschaft in der Schule.
1976
Mit Wirkung vom 14.5. wurde der Gemeindeverband „Stadtilm“ gebildet, dem folgende Orte angehörten:
Stadtilm, Niederwillingen, Dienstedt-Hettstedt, Dörnfeld, Ehrenstein, Geilsdorf, Gösselborn, Griesheim,
Großliebringen, Nahwinden, Singen, Traßdorf.
1978
Die Volkschöre Stadtilm, Dienstedt und Niederwillingen gründeten am 20.1. den „Chor des
Gemeindeverbandes Stadtilm“.
Der erste Goldmedaillengewinner im Schachsport in der Geschichte Niederwillingens wurde Stephan
Wiegand am 4.6.1978 bei der Spartakiade.
Am 28.6. übergab Pfarrvikar Wolf die Pfarrstelle an Pfarrvikar Vorwergk aus Großhettstedt. Pfarrvikar
Wolf zog nach Gersdorf / Sa.
Im Sommer 1978 wurde in Oberwillingen ein Kinderferienlager der Bezirksfilmdirektion Leipzig
eingerichtet. Es traten in diesem Lager Kopfläuse auf.
Heike Nikolai und Stephan Wiegand wurden am 21.10. jeweils in ihren Altersklassen Kreismeister im
Schachsport.
Am 18.11. wurde in der Nähe des „Kreuzchens“ (Hanfgrad, Flurstück-Nr. 212/181) ein Grab mit drei
Skeletten freigelegt. Anhand der Grabbeigaben ließ sich die Bestattung in das 9. bis 10. Jh. datieren.
1980
Mit nur einen Punkt hinter Stadtilm wurde die Schach-Schülermannschaft Vizekreismeister 1979/80.
Am 9.11.1980 startete zum ersten Mal in der Geschichte Niederwillingens eine Schach-
Männermannschaft in der Kreisklasse zum Punktspielbetrieb.
Die Gemeindevertretung beschloß am 28.11. eine neue Ortssatzung.
1981
Die Schach-Schülermannschaft wurde Kreismeister 1980/81!! Das war ein großer Erfolg der jungen
Sektion Schach in unserem Dorf.
Infolge extrem starker Niederschläge wurde der Kreis Arnstadt am 10. und 11.8. im Bereich der Gera, Ilm
und oberen Wipfra von einer Hochwasserkatastrophe betroffen.
Die Schule Niederwillingen wurde der Otto-Grotewohl-Schule Stadtilm als Teiloberschule (TOS)
angeschlossen. Die Schüler von der 5. bis 10. Klasse fuhren ab 1.9. zum Unterricht nach Stadtilm. Die
Schulen in Oberwillingen wurden geschlossen. Alle Schüler der 4 Unterstufenklassen von Niederwillingen,
Oberwillingen und Behringen besuchten die Schule in Niederwillingen.
1983
Mit Wirkung vom 5.7. wurde der „Chor des Gemeindeverbandes Stadtilm“ aufgelöst. Die Volkschöre
Dienstedt und Niederwillingen bestanden separat weiter; der Volkschor Stadtilm war nicht mehr
arbeitsfähig.
1985
Das Fernschachturnier DDR / H / 233 endete am 6.10.1985 mit einem Sieg für Klaus Reinhold, der damit
in die M-Klasse (Meisterklasse) aufsteigt. Das war die höchste Klasse im Fernschach.
Am 1.11. kann Yvonne Wedekind ihren Kreismeistertitel im Schach vom Vorjahr erfolgreich verteidigen.
1988
Die Bürger von Niederwillingen gründeten am 28.4. eine Antennengemeinschaft. Im Dezember ging die
neue Antennenanlage in Betrieb.
1989
Mit einem Sieg von 6:0 gegen Motor Stadtilm II wurde die Schülermannschaft der BSG „Traktor“
Niederwillingen, Sektion Schach, Kreismeister 1988/89.
1990
Im Januar wurden die Pionier- und FDJ-Organisationen in den Schulen aufgelöst, die Zensuren in der 1.
Klasse abgeschafft.
Seit 5.6. gab es, nach über 50 Jahren, die ersten Arbeitslosen in unserer Gemeinde.
Am 6.6. fand das letzte Training im Schachverein statt. Dieses Datum gilt als der letzte Tag des
Schachlebens in Niederwillingen (außer Fernschach, privat). Über die Gründe wird an anderer Stelle
berichtet.
Am 1.7. erfolgte die Währungsumstellung. (Währungsunion der DDR mit der BRD).
Der Preis für das Schulessen erhöhte sich von 0,55 Mark (Ost) auf 2,00 DM (West).
Das erste Fernschachturnier des Kreises endete am 2.10. mit einem Sieg für Klaus Reinhold (7,5 Punkte
von 8 möglichen). Er war somit der erste Fernschachkreismeister von Arnstadt in der Geschichte.
Die beiden deutschen Staaten sind mit Wirkung vom 3.10. wieder vereint.
Ab Dezember erfolgt samstags kein Schulunterricht mehr.
1991
Am 22.3. wurde erstmalig ein Videotext ausgestrahlt, der vom Bürgermeister eingegeben wurde und von
den Mitgliedern der Antennengemeinschaft empfangen werden konnte.
Der Feuerwehrverein Niederwillingen, Oberwillingen, Behringen wurde am 28.6.1991 in Niederwillingen
(Sportlerheim) gegründet (schlief aber sofort wieder ein).
Am 10. und 11. August fand in Niederwillingen das 1. Dorffest statt, welches ein großer Erfolg wurde.
Seit 2.9. gab es in Stadtilm eine eigenständige Staatliche Grundschule für den Einzugsbereich Stadtilm,
Großhettstedt, Kleinhettstedt, Dienstedt, Österöda, Niederwillingen, Oberwillingen und Behringen. Die
Schüler dieser 8 Orte wurden in 19 Klassen unterrichtet. Bis zur Fertigstellung des Schulneubaus fand der
Unterricht in den Gebäuden Mittelschule, Rote Schule, Methfesselschule und Niederwillingen statt.
Der zwanzigjährige Rainer Frischmuth sprengte sich am 21.9. mit einer selbstgebastelten Bombe
versehentlich selbst in die Luft.
1992
Am Sonntag, dem 1.3., war die Eröffnung des Landgasthofes Scheit. Es wurde Freibier ausgeschenkt.
Das 2. Dorffest Niederwillingen fand vom 14. bis 16.8.1992 statt.
1993
Mit Ablauf des 30.4. wurde die Poststelle geschlossen. Die Zustellung und Abfertigung erfolgte ab 1.5.
durch einen motorisierten Landzusteller.
Seit 29.6. ist die neue Kläranlage Niederwillingen in Betrieb.
Ab 1.7. gelten in ganz Deutschland neue Postleitzahlen. Stadtilm, Oberilm und umliegende Dörfer
bekamen die 99326 (vorher, seit 1964 hatte Niederwillingen die 5211, in der Übergangszeit, seit der
Wiedervereinigung, die 0-5211).
In diesem Jahr bestand unsere Bibliothek genau 150 Jahre.
1994
Die Bürger des Ortsteiles Hohes Kreuz entschieden sich in einer Abstimmung darüber, ob ihr kleiner Ort
weiterhin zu Stadtilm oder, wie früher, wieder zu Niederwillingen gehören sollte. Das Ergebnis lautete:
12:10 Stimmen für den Anschluß an Niederwillingen. Hohes Kreuz gehörte damit seit 1.1.1994 wieder zu
Niederwillingen.
Niederwillingen und die anderen an der Wipfra liegenden Orte erlebten ein Hochwasser in der Nacht vom
12. zum 13.4.
Am 19.4. endete das Fernschachturnier in der Meisterklasse M 139 D (doppelrundig) mit einem Sieg für
Klaus Reinhold. Damit hatte er die erste Großmeisternorm erfüllt.
Am Sonnabend, dem 14.5., wurde in Niederwillingen das restaurierte Kirchenschiff durch Landesbischof
Roland Hoffmann, der an diesem Tag seinen 56 Geburtstag feierte, geweiht. In die Weihe einbezogen
wurden Altar, Taufstein und Orgel.
Am 15.5. fand ein Volksfest statt.
Kommunalwahlen waren am 12.6. Harald Limprecht aus Oberwillingen wurde zum Bürgermeister gewählt.
Ein Orgelkonzert mit Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller konnte man in der Kirche Niederwillingen am
18.9. erleben.
Die Freiwillige Feuerwehr, die durch Iffland sträflich vernachlässigt worden war, wurde am 27.10. wieder
ins Leben gerufen.
Alle Bürger waren für den 31.12.1994 eingeladen, die am 2.1.1995 neu zu eröffnende Arztpraxis in
Niederwillingen zu besichtigen.
1995
Am 2.1. wurde in der ehemaligen Schule (Neubau) eine Arztpraxis eröffnet.
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